ONLINE-PLATTFORM »Verwaltet. Verwahrt. Vergessen?«

Spezialkinderheim Ernst Schneller Eilenburg

Unsere Leistungen: Konzeption, Informationsarchitektur, UX/UI-Design, Webentwicklung, interaktive Kartenanwendungen, Content-Strategie, barrierearme Benutzerführung, Datenvisualisierung, CMS-Entwicklung, technische Infrastruktur, Frontend- und Backend-Entwicklung, Launch-Begleitung

Über das Projekt: Wie lässt sich ein Kapitel sichtbar machen, das lange übersehen, verdrängt oder nur fragmentarisch dokumentiert wurde? Für die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau entwickeln und realisieren wir in enger Zusammenarbeit eine digitale Erinnerungsplattform zur Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung, DDR-Psychiatrie und DDR-Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche in Sachsen. Grundlage der Plattform ist eine über mehrere Jahre vom Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erarbeitete Datenbank, die Anfang 2026 an die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau übergeben wurde. Das Ministerium begleitet das Projekt damit als wichtiger Kooperationspartner und stellt eine wesentliche Grundlage für die digitale Aufarbeitung und Sichtbarmachung der Einrichtungen der DDR-Heimerziehung, Psychiatrie und Behindertenhilfe in Sachsen bereit. Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus sowie die Stiftung Sächsische Gedenkstätten entsteht ein digitales Angebot, das historische Forschung, individuelle Erfahrungen und gesellschaftliche Erinnerung miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt steht die erstmalige systematische Sichtbarmachung von rund 400 Einrichtungen in Sachsen, in denen Kinder und Jugendliche in der DDR untergebracht waren – darunter Kinderheime, Jugendwerkhöfe, Spezialkinderheime, Durchgangsheime, kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen sowie Einrichtungen der stationären Behindertenhilfe. Diese Orte werden nicht nur dokumentiert, sondern als digitale Erinnerungsorte erfahrbar gemacht: als Räume des Gedenkens, der Aufarbeitung und der kritischen Auseinandersetzung. Eine interaktive Karte bildet dabei das zentrale Element des Portals: Sie verortet die Einrichtungen geografisch und verknüpft sie mit historischen Informationen.

Die Plattform richtet sich bewusst an unterschiedliche Nutzergruppen. Betroffene und ihre Familien finden Orte der Orientierung und Anerkennung, die individuelle Erinnerungen sichtbar machen und würdigen. Behörden und Gerichte erhalten eine ergänzende Grundlage für Rehabilitierungs- und Entschädigungsverfahren. Gleichzeitig dient das Angebot als Bildungsinstrument für Schulen und außerschulische Einrichtungen, die regionale Geschichte anschaulich und kritisch vermitteln möchten, und bietet der Forschung einen strukturierten Überblick über Einrichtungen, Materialien und historischen Zusammenhängen. Auch für eine breitere Öffentlichkeit wird ein Zugang geschaffen, der ein bislang wenig sichtbares Kapitel der DDR-Geschichte dauerhaft im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert.

Inhaltlich und gestalterisch folgt die Plattform einem multiperspektivischen Aufbau: Neben der interaktiven Karte eröffnen Stimmen von Betroffenen eine persönliche Perspektive auf das erlittene Unrecht von Kindern und Jugendlichen, während vertiefende Bereiche mit Hintergrundtexten und Quellen die historischen und gesellschaftlichen Kontexte erschließen. Thematische und zeitliche Strukturierungen ermöglichen darüber hinaus eine differenzierte Auseinandersetzung mit Entwicklungen zwischen 1949 und 1990.

Eine besondere Herausforderung des Projekts liegt in der Verbindung heterogener und sensibler Datenbestände. Unterschiedliche Archive, fragmentarische Dokumentationen und persönliche Berichte müssen in eine konsistente, zugängliche Form überführt werden, ohne ihre Vielstimmigkeit zu verlieren. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Komplexität durch eine klare Informationsarchitektur, eine intuitive Benutzerführung und eine reduzierte, respektvolle Gestaltung erfahrbar zu machen. Gleichzeitig entwickeln wir Lösungen für die langfristige Pflege, Erweiterbarkeit und technische Stabilität des Portals, sodass es über den Projektzeitraum hinaus bestehen und wachsen kann.

Das Projekt versteht sich nicht nur als digitale Sammlung, sondern als aktiver Beitrag zu einer dauerhaften gesellschaftlich und politisch relevanten Erinnerungskultur. Es macht strukturelles Unrecht sichtbar, verknüpft individuelle Erfahrungen mit historischen Zusammenhängen und schafft einen Raum, in dem Vergangenheit aufgearbeitet und für Gegenwart und Zukunft verständlich wird. Der Launch ist für November 2026 geplant; bis dahin begleiten wir das Projekt von der konzeptionellen Schärfung über Design und Entwicklung bis zur Umsetzung und öffentlichen Einführung.