THEATERPRODUKTION »Zwischen Träumen und Wachen – Einblicke in das geteilte Deutschland«

THEATERPRODUKTION

»Zwischen Träumen und Wachen – Einblicke in das geteilte Deutschland«  

Kooperationspartner: EJBW, Staatliche Gemeinschaftsschule Kaleidoskop Jena, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, musealis GmbH

Förderer: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Laufzeit: 2026 – 2027

Orte: 8 Spielstätten inkl. Premiere im Bundesgebiet

Unsere Aufgaben: Konzeption und Gestaltung der Bühnenidee inklusive dramaturgischer Struktur, Entwicklung und Produktion der multimedialen Elemente – Videoeinspielungen, Greenscreen-Aufnahmen, Animationen und Archivintegration, Aufbereitung der historischen Quellen in analogen und digitalen Formaten, dramaturgische und technische Beratung der beteiligten Schülerinnen und Pädagoginnen, Drehbuch, Regie, digitales Bühnenbild, Musik, Video- und Filmaufnahmen, Logistik, Bühnentechnik

Bundesstiftung Aufarbeitung, Peter Leske 2294-2A-TH27-LEA-ORG

Bundesstiftung Aufarbeitung, Peter Leske 2294-2A-TH27-LEA-ORG

Mit dem Theaterprojekt »Zwischen Träumen und Wachen« entsteht ein innovatives Bildungsformat, das historische Bildung, künstlerische Praxis und mediale Gestaltung eng miteinander verbindet. Ziel ist es, Jugendlichen einen emotionalen und zugleich reflektierten Zugang zur Geschichte der DDR zu eröffnen – jenseits klassischer Vermittlungsformen und mit einem klaren Bezug zu Fragen der Gegenwart.

Grundidee und Dramaturgie

Das partizipative Theaterprojekt, das im Rahmen des Bundesprogramms »Jugend erinnert« entsteht, bindet Jugendliche aktiv in die Entwicklung eines professionellen Theaterstücks ein. Ausgangspunkt der Arbeit sind fünf reale Biografien, Zeitzeug*innenberichte und historische Quellen zur DDR-Geschichte, die nicht illustrativ, sondern als kreativer Rohstoff genutzt werden.

Im Zentrum des Stücks steht eine surreale Zentralfigur: ein beflissener Super-Beamter der DDR, gespielt vom Fernseh- und Theaterschauspieler David Kramer. Er ist das Nadelöhr für alle fünf Figuren des Stücks – zuständig für Anträge, Hoffnungen, Konflikte und Lebensentscheidungen. In dieser Überhöhung ist er zugleich Funktionsträger, Kontrollinstanz und Sinnbild des Staates selbst. Genau wie das politische System, das er verkörpert, durchläuft auch diese Figur im Verlauf des Stücks eine Metamorphose: vom unnachgiebigen Staatsdiener, der fest in der Logik planwirtschaftlicher und sozialistischer Direktiven verankert ist, hin zu einer zunehmend porösen, widersprüchlichen Gestalt. Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1980er-Jahre und der Maueröffnung verliert auch der Super-Beamte seine scheinbare Stabilität und Kontrolle.

Die fünf Figuren, denen er gegenübersteht, entstammen unterschiedlichen Lebenswelten der DDR. Ihre Träume, Anpassungsleistungen, Konflikte und Brüche machen erfahrbar, wie tief politische Vorgaben in den Alltag eingriffen und wie individuell Menschen mit diesen Zumutungen umgingen.

Partizipation und Arbeitsprozess

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist die aktive Mitgestaltung durch die Jugendlichen. In intensiven Workshops und kontinuierlichen Arbeitsphasen recherchieren sie historische Materialien, analysieren in fünf Gruppen jeweils die Berichte eines/einer Zeitzeug*in und entwickeln daraus Figuren, Dialoge und Szenen. Die Texte entstehen konsequent aus der Arbeit mit den Quellen – nicht als Nacherzählung einzelner Lebensgeschichten oder historischer Ereignisse, sondern als künstlerische Verdichtung von Erfahrungen, Haltungen und Konflikten. Die Zeitzeugenberichte dienen den Schüler*innen dabei als offener Resonanzraum, um ein vertieftes Verständnis für die Zeit und ihre besonderen Lebenssituationen zu entwickeln und diese eigenständig in theatrale Szenen zu übersetzen.

musealis bereitet hierfür multimediale Materialkoffer auf: ein Mini-Archiv mit authentischen Dokumenten, Fotografien, Filmen, Tonaufnahmen und biografischen Skizzen. Diese Materialien ermöglichen forschendes, kreatives Arbeiten und bilden die Grundlage für die szenische Entwicklung. Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für ihre Figuren und Geschichten und erleben sich als Co-Produzent*innen des Theaterstücks, die den gesamten Produktionsprozess inklusive Proben und Filmaufnahmen mit durchlaufen.

Zeitzeug*innen und historische Fundierung

Besonders prägend für die inhaltliche Tiefe des Projekts ist die Arbeit mit Zeitzeug*innen. Ihre Biografien geben den Figuren des Stücks Kontur und Authentizität. Als Zeitzeugen konnten unter anderem Peter Wensierski und Gesine Tettenborn (ehemals Gesine Walther) gewonnen werden. Peter Wensierski berichtete als West-Journalist regelmäßig aus Ost-Berlin und der DDR über Kirchen, Jugend- und Oppositionsmilieus und dokumentierte früh die Bürgerrechtsbewegung – teils mit heimlichen Aufnahmen, etwa von den Leipziger Montagsdemonstrationen. Seine Arbeit zeigt, wie Öffentlichkeit und Zivilcourage gesellschaftlichen Wandel ermöglichten. Gesine Tettenborn bietet als ehemalige DDR-Spitzensportlerin eindrückliche Einblicke in Leistungsdruck, Trainingsalltag und politische Einflussnahme im DDR-Sportsystem und zeigt, wie stark staatliche Erwartungen und persönliche Träume miteinander kollidierten.

Die Arbeit mit diesen und weiteren Biografien ermöglicht es den Jugendlichen, DDR-Geschichte als vielschichtiges Geflecht individueller Erfahrungen zu begreifen und nicht als abstraktes politisches System.

Theater, Medien und Gegenwartsbezug

Die Inszenierung verbindet Live-Performance mit Videoprojektionen, Archivmaterial und interaktiven Elementen. Gleichzeitig schlägt das Projekt eine Brücke zur Gegenwart, indem es Fragen nach Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung aufwirft. Die Jugendlichen setzen sich nicht nur mit der Vergangenheit auseinander, sondern reflektieren auch ihre eigene Position in einer demokratischen Gesellschaft.

Aufführungen und Wirkung

Nach der Premiere an der Staatlichen Gemeinschaftsschule Kaleidoskop Jena im Sommer 2027 wird das Stück bundesweit an sieben weiteren Schulen aufgeführt. Begleitende Unterrichtsmaterialien, Filmsequenzen und moderierte Gespräche vertiefen die Auseinandersetzung mit den Themen des Stücks.

»Zwischen Träumen und Wachen« versteht DDR-Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als Erfahrungsraum, der Fragen an die Gegenwart stellt. Das Projekt zeigt, wie Theater, digitale Medien und historisch-politische Bildung zu einer lebendigen, emotionalen Lernerfahrung verschmelzen können – und wie Jugendliche dazu ermutigt werden, Geschichte mit eigener Stimme zu erzählen.

Das Projekt wird realisiert durch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW) als Projektträger, der Staatlichen Gemeinschaftsschule Kaleidoskop Jena als schulischem Partner, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen als fachlich beratender und unterstützender Partner sowie der Agentur musealis für Konzeption, Dramaturgie, multimediale Umsetzung und Tournee. Das Projekt entsteht im Rahmen des Förderprogramms »Jugend erinnert« (Förderlinie SED-Unrecht) vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.